Working Capital durch intelligentere grenzüberschreitende Zahlungen optimieren
Wie Unternehmen Working Capital freisetzen können, indem sie Zeitpunkt und Kosten internationaler Zahlungen intelligenter steuern, ohne zusätzliche Finanzierung aufzunehmen.
Wenn es um die Optimierung des Working Capital geht, denken Unternehmen meist zuerst an längere Zahlungsfristen mit Lieferanten oder eine schnellere Einziehung von Forderungen. Internationale Zahlungen – Währungsumrechnung, Zeitpunkt der Abwicklung, Wahl des Zahlungsanbieters – erhalten weniger Aufmerksamkeit, obwohl sich darin oft eine erhebliche, unterschätzte Reserve verbirgt.
Dieser Artikel erklärt, wie die Struktur internationaler Zahlungen das Working Capital eines Unternehmens beeinflusst, und welche konkreten Schritte möglich sind, ohne zusätzliche Finanzierung aufzunehmen.
Wie internationale Zahlungen mit dem Working Capital zusammenhängen
Working Capital ist die Differenz zwischen dem Umlaufvermögen und den kurzfristigen Verbindlichkeiten eines Unternehmens – es spiegelt im Wesentlichen wider, wie viel Geld im Betriebszyklus „gebunden" ist. Internationale Zahlungen beeinflussen das auf mehrere Arten:
- Zeitpunkt der Abwicklung: Dauert eine Lieferantenzahlung wegen einer ineffizienten Überweisungsroute länger als nötig, ist das Geld des Unternehmens effektiv länger gebunden, als es sein müsste.
- Fremdwährungsguthaben: Mittel, die in Fremdwährung gehalten werden, ohne klaren Verwendungsplan, stellen Kapital dar, das andernfalls effizienter arbeiten könnte.
- Umrechnungskosten: Jede Währungsumrechnung zu einem ungünstigen Kurs oder mit einer hohen Gebühr ist im Effekt ein versteckter Abfluss aus dem Working Capital.
Konkrete Schritte zur Optimierung
Zahlungswährung und Empfangswährung aneinander anpassen
Erzielt ein Unternehmen Einnahmen in einer bestimmten Währung und zahlt auch einige Ausgaben in derselben Währung, reduziert die Nutzung eines Multiwährungskontos zur direkten Verrechnung zwischen diesen Flüssen (ohne doppelte Umrechnung über die Landeswährung) sowohl die Umrechnungskosten als auch die Anzahl der Tage, an denen Mittel im Transit ungenutzt bleiben.
Grenzüberschreitende Zahlungsrouten überprüfen
Nicht alle Überweisungsrouten sind gleich schnell. Wo möglich lokale Zahlungsnetzwerke statt einer Standard-SWIFT-Überweisung zu nutzen, kann die Abwicklungszeit von mehreren Tagen auf wenige Stunden verkürzen – was sich direkt darauf auswirkt, wie viele Tage das Working Capital im Transit gebunden bleibt.
Zahlungsanbieter systematisch vergleichen
Der Unterschied im angewendeten Kurs und in der Gebühr zwischen Anbietern kann für denselben Betrag und dasselbe Währungspaar erheblich sein. Die Konditionen der Anbieter regelmäßig zu vergleichen, statt es nur einmal zu tun, zeigt, wo ein Unternehmen ohne offensichtlichen Grund Working Capital verliert.
| Optimierungsbereich | Wie es das Working Capital beeinflusst |
|---|---|
| Zahlungs- und Empfangswährung anpassen | Weniger Umrechnungen, weniger Verlust durch Aufschlag |
| Lokale Zahlungsnetzwerke statt SWIFT | Weniger Tage im Transit, schnellere Verfügbarkeit der Mittel |
| Regelmäßiger Anbietervergleich | Geringere versteckte Kosten durch Kurs und Gebühren |
| Multiwährungskonten | Weniger Notwendigkeit, Mittel „für alle Fälle" umzurechnen |
Ein praktisches Beispiel
Ein Unternehmen, das Ausrüstung nach Europa exportiert und gleichzeitig einige Komponenten von einem europäischen Lieferanten bezieht, rechnete früher seine gesamten Euro-Einnahmen zurück in die Landeswährung um und dann einen Teil davon wieder zurück in Euro, um den Lieferanten zu bezahlen – im Effekt eine doppelte Umrechnung mit doppeltem Aufschlag.
Durch den Wechsel zu einem Multiwährungskonto konnte das Unternehmen die eingehenden Euro-Einnahmen direkt zur Bezahlung des Lieferanten in derselben Währung nutzen und die doppelte Umrechnung überspringen. Das reduzierte nicht nur die direkten Aufschlagskosten, sondern verkürzte auch die Anzahl der Tage, an denen Mittel zwischen den beiden Vorgängen „im Transit" blieben – und setzte damit direkt Working Capital frei, ohne zusätzliche Finanzierung aufzunehmen.
Was bei der Umsetzung zu beachten ist
- Das tatsächliche Volumen und die Struktur der Währungsflüsse: Bevor etwas geändert wird, hilft ein klares Bild davon, in welchen Währungen das Unternehmen Geld empfängt und ausgibt.
- Kompatibilität mit dem bestehenden Buchhaltungssystem: Änderungen an der Zahlungsabwicklung müssen korrekt in der Buchhaltung abgebildet werden, sonst werden Einsparungen bei den Gebühren durch zusätzlichen manuellen Abstimmungsaufwand aufgehoben.
- Regelmäßige Überprüfung der Konditionen: Die Konditionen der Zahlungsanbieter ändern sich mit der Zeit – ein einmaliger Vergleich garantiert nicht, dass die gewählten Konditionen langfristig optimal bleiben.
- Realistische Erwartungen: Die Optimierung internationaler Zahlungen ist ein Prozess, der eine regelmäßige Überprüfung erfordert, wenn sich Volumen und geografische Ausrichtung des Unternehmens ändern – kein einmaliger Fix.
Die Konditionen mehrerer Zahlungsanbieter manuell zu vergleichen, kann erheblich Zeit kosten. Plattformen wie mangomundi ermöglichen es, Kurse, Gebühren und Abwicklungsgeschwindigkeit verschiedener Anbieter in einer Oberfläche zu vergleichen, was die erste Analyse erleichtert – die endgültige Entscheidung sollte immer auf der tatsächlichen Zahlungsstruktur des Unternehmens basieren.
Häufig gestellte Fragen
Kann die Optimierung von Zahlungen wirklich einen spürbaren Unterschied für das Working Capital machen? Der Effekt hängt vom Volumen und der Häufigkeit der internationalen Transaktionen des Unternehmens ab. Bei Unternehmen mit regelmäßigen, bedeutenden Währungsflüssen kann der Effekt recht deutlich sein; bei Unternehmen mit gelegentlichen kleinen Transaktionen ist er moderater, aber dennoch beachtenswert.
Braucht das ein eigenes Treasury-Team? Nicht notwendigerweise – viele der beschriebenen Schritte (Anbietervergleich, Anpassung von Zahlungs- und Empfangswährung) können von der Finanzabteilung eines Unternehmens umgesetzt werden, ohne eine separate Treasury-Funktion einzurichten.
Wie oft sollten die genutzten Routen und Anbieter überprüft werden? Es gibt keine universelle Regel, aber jede wesentliche Veränderung ist ein guter Anlass zur Überprüfung: gestiegenes Transaktionsvolumen, der Einstieg in einen neuen Markt, oder eine deutliche Verschiebung in der Struktur der Währungsflüsse.
Kann ein Multiwährungskonto das Bankkonto eines Unternehmens vollständig ersetzen? Nicht notwendigerweise – viele Unternehmen nutzen beides parallel, abhängig von der Art des Vorgangs und den Anforderungen eines bestimmten Landes.
Fazit
Die Optimierung des Working Capital beschränkt sich nicht auf Verhandlungen mit Lieferanten und Kunden – wie ein Unternehmen seine internationalen Zahlungen strukturiert, beeinflusst direkt, wie viel Kapital im Abwicklungsprozess gebunden bleibt. Zahlungs- und Empfangswährungen aneinander anzupassen, schnellere Überweisungsrouten zu nutzen und die Konditionen der Zahlungsanbieter regelmäßig zu vergleichen, sind konkrete, umsetzbare Schritte, die Working Capital freisetzen können, ohne zusätzliche Finanzierung aufzunehmen.
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